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Wie läuft eine Covid-19 Impfung in der Schweiz ab?

Die breite Anwendung der Covid-19 Impfungen ist vermutlich eine wesentliche Voraussetzung für die Gesundung der Wirtschaft und die Normalisierung der gesellschaftlichen Bedingungen. Für Reisen und Touristik mag die Impfung gar eine Art Wiederauferstehung bedeuten. Trotzdem wird so mancher den schnell entwickelten und vergleichsweise kurz in Studien geprüften Impfstoffen skeptisch gegenüber stehen und Vorbehalte anbringen. Oft genug leider nur getrieben durch eine vage Andeutung von Furcht, Ungewissheit und Zweifel (englisch FUD).

 

Ich möchte zur Aufklärung beitragen und über meine eigene Covid-Impfung im Kanton Aargau berichten. Genauer ausgedrückt, über die erste von zwei Impfungen, die dazu nötig sind.

 

Ablauf der Anmeldung zur Covid-19-Impfung

Seit Montag, dem 18. Januar steht im Aargau ein neues Online-Portal bereit, in dem sich jetzt JEDER impfwillige erwachsene Aargauer anmelden kann. Dort werden u.a. Angaben zum Alter und Gesundheitszustand verlangt und danach dem Risikolevel entsprechend ggf. ein Impftermin zugeteilt. Dementsprechend ist mein früher Termin ein eher zweifelhaftes Privileg. Die Zugehörigkeit zur Risikogruppe muss dann vor Ort beim Impftermin mit einem mitzubringenden ärztlichen Attest nachgewiesen werden.
Das Portal funktionierte bei mir problemlos, ohne Verzögerungen. SMSe zuerst mit einer Anmeldebestätigung, später mit den Impfterminen und eine SMS-Erinnerung kurz vor dem Termin kamen zeitnah. Das alles machte mir einen recht guten, ausgereiften Eindruck. Es gäbe zudem auch die Möglichkeit, den erhaltenen Termin online abzuändern.

 

Ablauf vor der Impfung

Am Eingang des Impfzentrums wird eine erste Personenkontrolle durchgeführt. Nach der Handdesinfektion wird dort eine neue Maske zum Wechseln gereicht. Dann ging es auch schon in eine Art improvisierte "Schreibstube". Flugs wurden nochmals meine Personalien geprüft, ich hatte dafür meine ID dabei. Immer begleitet von einem Zivilschützer ging es weiter in einen der acht Impfräume. Dort waren meine Personalien schon auf einem Computer eingetroffen und es wurde alles nochmals gründlich abgeglichen. Nun wurde abgefragt, ob ich ggf. frühere Impfreaktionen gezeigt habe, ob ich gegenüber dem verwendeten jodhaltigen Desinfektionsmittel allergisch sein könnte oder ob ich sonstige Unverträglichkeiten zeige. Zudem musste ich der Impfung nochmals ausdrücklich zustimmen. Mein Attest habe ich vorgezeigt und selbständig auf meine medikamentöse Behandlung hingewiesen.

 

Der Impfstoff stand übrigens nicht einfach herum, sondern wurde für meine Impfung aus einem anderen Raum gebracht. Der wertvolle Stoff wird sichtlich gehütet wie der Goldschatz in Fort Knox.

 

Das Impfzentrum Windisch

Auf dem Gelände der psychiatrischen Klinik Königsfelden wurde das dritte Impfzentrum des Kantons in einem unbenutzten Pavillon der Klinik untergebracht. Die Wege zum Zentrum sind so gestaltet, dass man vom Parkplatz her einen Rundweg läuft, um den bereits geimpften Personen nicht zu begegnen. Dadurch sind etwas weitere Wege nötig, weswegen man mit ein paar Minuten Fussmarsch rechnen muss. Weniger mobile Personen sollten unbedingt Unterstützung suchen und genug Zeit mitbringen.

 

Das Impfzentrum ist sichtbar keine Wellnesseinrichtung. Meiner Meinung nach hat es mit den vielen Zivilschützern sogar eine eher militärische Anmutung. Man merkt deutlich, dass der Kanton vorwärts machen will, um dem Vorwurf, Impf-Bummelei zu betreiben, entgegenzuwirken. So können die jetzt 8 Impflinien bei Bedarf verdoppelt werden. In meiner Impflinie wurden an diesem Tag ca. 40 Personen geimpft. Durch Optimierungen der Abläufe werden bestimmt auch die Durchsätze pro Impfplatz noch gesteigert. Zumindest, soweit Impfstoff vorhanden ist...


Die Covid-19-Impfung

Die Impfung selbst ist reichlich unspektakulär. Ich bekam den Pfizer/Biontech-Impfstoff nach Desinfektion der Einstichstelle zügig in den linken Oberarm - eine verschwindend geringe Menge mit sehr dünner Nadel. Dann wurde einige Zeit auf die Einstichstelle gedrückt - etwas länger als üblich wegen meiner Medikation. Nach Anbringen eines Pflasters durfte ich selbst noch eine Minute pressen. Eine Schwellung spürte ich direkt danach nicht. Auch eine Rötung blieb aus. In der verbleibenden Zeit wurde ein Formular ausgefüllt, ein DIN-A4-Blatt mit dem Titel "Schweizerischer Impfnachweis COVID-19", und mir zum Abschluss übergeben.

 

Nach der Impfung

...wird man in einen Nachbeobachtungsraum zu anderen Impflingen begleitet. Dort wartet man noch 10-15 Minuten unter Aufsicht, ob sich Impfreaktionen zeigen - natürlich immer mit gebotenem Abstand. Das Ende der Wartefrist wird einem angezeigt, man verlässt das Impfzentrum nach Rückmeldung zum  guten Zustand durch einen anderen Ausgang und kann sich wieder nach Hause begeben.

 

Ich habe die Gelegenheit noch für einen Spaziergang über das Gelände der psychiatrischen Klinik genutzt.

 

Wesentliche Reaktionen habe ich in den zwei Folgetagen nicht bemerkt, ausser einem leichten Druckgefühl am nächsten Tag an der Einstichstelle, aber auch nur bei muskulärer Beanspruchung, nicht in Ruhe.

Der zweite Impftermin steht bereits fest, wieder im Windischer Impfzentrum.


Fazit

Leider lassen sich viele Leute durch übertreibende, zweifelnde und Befürchtungen weckende Beiträge in sozialen Medien in Ihrer Meinung negativ beeinflussen. Man sollte viel eher auf die zahlreichen fundierten und von Behörden überprüften Studien schauen und sich den bisherigen Erfolg der Impfung vergegenwärtigen - es gibt ja bereits Millionen geimpfter Personen, und das ohne wesentliche Zwischenfälle. 

 

Ausserdem denke ich, dass Produktions- und Effizienzsteigerungen die Impfraten bald anwachsen lassen. Daher meine Empfehlung auch für Nicht-Risikopersonen, sich bereits jetzt anzumelden. Vielleicht fällt so mancher Termin einer angemeldeten Risikoperson kurzfristig aus und das Impfzentrum ist froh, flexible und mobile Personen aufbieten zu können. So wird es meiner Meinung nach auch eher einen graduellen Übergang zu einer breiteren Impfstrategie geben. Selbst wenn noch nicht 100% der Risikopersonen geimpft sind, wird man irgendwann bereits beginnen müssen, die breite Masse ebenfalls aufzubieten um die vorhandenen Impfressourcen effizient auszunutzen.

 

In diesem Sinne wünsche ich allen eine gute Gesundheit und ein baldiges Ende der Einschränkungen!

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Kommentare: 2
  • #1

    KM Finanzen (Donnerstag, 04 Februar 2021 14:36)

    Lieber Peter

    Vielen Dank für das Teilen deiner Erfahrung. Ich glaube es hilft viel, wenn man solche Berichte von vertrauenswürdigen Personen liest.

    Weisst du zufällig, ob man mit der Impfung auch das Weitergeben des Virus unterbindet? Oder schützt die Impfung lediglich den geimpften?

    Viele Grüsse
    KM

  • #2

    Dreigroschenblogger (Donnerstag, 04 Februar 2021 16:42)

    Wäre schön, wenn ich dazu eine Antwort geben könnte. Allein ich weiss es nicht!

    Und ob Experten dazu kompetente Auskunft geben können... ich glaube ebenfalls nicht.

    Bleib gesund!